UN Committee on Enforced Disappearances (CED) / Ausschuss gegen Verschwindenlassen (CED)

Gewaltsames Verschwindenlassen – worum geht es überhaupt?

Vor 20 Jahren wurde das Internationale Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen verabschiedet, 2010 trat es in Kraft. Nach Artikel 2 gilt als Verschwindenlassen die Festnahme, Haft, Entführung oder jede andere Form von Freiheitsentzug durch Bedienstete des Staates, durch eine Person oder durch Personengruppen, die mit der Erlaubnis, Unterstützung oder Duldung (billigende Inkaufnahme) des Staates handeln, gefolgt von der Weigerung, die Freiheitsberaubung zu bestätigen, oder von einer Verschleierung des Schicksals oder des Aufenthaltsortes der verschwundenen Person, wodurch sie dem Schutz des Gesetzes entzogen wird.

In der Realität bedeutet dies, dass Familien oft Monate oder Jahre nicht wissen, was mit ihren verschwundenen Angehörigen geschehen ist, ob sie überhaupt noch leben, und wer dafür verantwortlich ist. Oft hat das erhebliche finanzielle Folgen für die Familien, und nicht selten geraten suchende Angehörige selbst unter Druck, werden bedroht oder schlimmeres.

 

Dieses Menschenrechtsverbrechen wird zunehmend und überall auf der Welt verübt. Besonders viele Fälle gibt es aktuell in Mexiko, im Irak, oder in Sri Lanka. Während es in der Vergangenheit meist eine Praxis in Militärdiktaturen war, dient Verschwindenlassen heutzutage oft der politischen Unterdrückung oder soll Menschenrechtsverbrecher vor strafrechtlicher Verfolgung bewahren. Folgen hat dies nicht nur für die Opfer und ihre Familien, sondern die gesamte Gesellschaft eines Landes, in der sich Unsicherheit ausbreitet und Vertrauen in staatliche Institutionen verloren geht.

Im UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen sind 10 unabhängige Expert*innen dafür verantwortlich, die Umsetzung und Einhaltung des Übereinkommens zu überwachen. Zu den Hauptaufgaben gehört es, Berichte der Vertragsstaaten zu prüfen und Empfehlungen auszusprechen, über Individualbeschwerden zu urteilen und in Fällen von unmittelbar verschwundenen Personen, die an den Ausschuss herangetragen werden (Dringlichkeitsaktionen), den betreffenden Staat zu umgehenden Maßnahmen zur Suche aufzufordern.

Mit regelmäßigen Newslettern informiert der Ausschuss über seine Arbeit. Um die Newsletter zu erhalten, genügt eine Email an ohchr-ced@un.org.

„We Are Still Here: Putting Victims at the Centre of the Human Rights Movement“

25. September 2026

"We Are Still Here: Putting Victims at the Centre of the Human Rights Movement" Im Dezember 2006 wurde die Internationale Konvention zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen von der UN-Generalversammlung verabschiedet. Dieses 20jährige Jubiläum hat unser Ausschuss zum Anlass genommen, um Menschen zu Wort kommen zu lassen, die seit den frühen 1980er für ein solches Abkommen gekämpft haben, genauso wie diejenigen, die sich seither für dessen Umsetzung und mehr Ratifikationen einsetzen. Dazu gehören ...Weiterlesen

Von Daniels Verschwinden und dem Beschluss der Konvention

15. September 2026

Von Daniels Verschwinden und dem Beschluss der Konvention Daniel Víctor Antokoletz war ein Rechtsanwalt, der politische Gefangene verteidigte und im November 1976 in Buenos Aires von der argentinischen Diktatur gewaltsam verschwunden wurde. Seine Frau Iliana Andrés verschwand mit ihm, wurde später aber wieder freigelassen. Daniels Schwester Maria Adela Antokoletz schilderte uns zu Beginn der 31. Sitzung unseres Ausschusses, welche tiefgreifenden Auswirkungen dieses Verbrechen auf die Familie hatte. Sie ...Weiterlesen

Immer wieder fragen Familien: Wo sind sie?

31. August 2026

Immer wieder fragen Familien: Wo sind sie? Was geschieht, wenn Angehörige einer verschwundenen Person sich an unseren Ausschuss wenden und eine sogenannte Dringlichkeitsaktion (urgent action) gestartet wird? Dies zeigen zwei Beispiele, über die anlässlich des Internationalen Tags der Opfer von Verschwindenlassen hier berichtet wurde. “Had it not been for the Urgent Action issued by the Committee , nothing would have happened in the investigation,” a relative ...Weiterlesen

Mein Gastbeitrag: Jeder Tag ist der 30. August

30. August 2026

Mein Gastbeitrag: Jeder Tag ist der 30. August Anlässlich des Internationalen Tags der Opfer des Verschwindenlassens habe ich in einem Gastbeitag für das Portal „weltkirche.de“ geschrieben, warum für die Opfer und auch in meiner Arbeit jeder Tag der 30. August ist. Lesen Sie selbst. Weiterlesen

Wieder einmal: Verschwindenlassen in Irak

25. März 2026

Wieder einmal: Verschwindenlassen in Irak „Es bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen, die die vollständige Umsetzung des Übereinkommens behindern“, so das Fazit unseres Ausschusses gegen das Verschwindenlassen nach dem Dialog mit dem Irak am 11. März 2026. Justizminister Khalid Shwani und die anderen Vertreter*innen der irakischen Delegation bemühten sich redlich, uns von rechtlichen und institutionellen Fortschritten bei der Bekämpfung dieser schweren Menschenrechtsverletzung zu überzeugen. Doch trotz aller ...Weiterlesen

Für immer hier

13. März 2026

Für immer hier Haben Sie den Film „Für immer hier“ gesehen? Er erzählt die Geschichte von Rubens Paiva, der 1971 während der Militärdiktatur in Brasilien gewaltsam verschwand, und von seiner Frau Eunice, die zunächst auch 12 Tage inhaftiert war und dann jahrelang nach ihrem Ehemann suchte und für Gerechtigkeit kämpfte. Erst Jahre später wurde bekannt, dass Rubens Paiva gefoltert und ermordet wurde. Bis ...Weiterlesen

Gespräche in Warschau

30. Januar 2026

Gespräche in Warschau In Warschau habe ich diese Woche die Europäische Grenzschutzagentur FRONTEX besucht und ein ausführliches Gespräch mit deren Exekutivdirektor Hans Leijtens geführt. Dabei ging es um die Rolle und Verantwortung von FRONTEX, die wegen möglicher Verwicklung in rechtswidrige Abschiebungen oder tödliche Bootsunglücke an den europäischen Grenzen wiederholt in die öffentliche Kritik geraten ist. Dies ist auch Gegenstand einiger anhängiger Verfahren beim ...Weiterlesen

Verschwindenlassen im Radio

10. November 2025

Verschwindenlassen im Radio Mit dem schweizer Radiosender toxic.fm habe ich über das Verschwindenlassen und meine Arbeit im UN-Ausschuss gesprochen. Ein kurzer Beitrag für einen schnellen Einblick, worum es geht und für wen die Arbeit wichtig ist. Eine kleine Fortbildung in Schwiizerdütsch gibt es gleich dazu. Hören Sie selbst. Weiterlesen

Sitzung Nr. 29 beendet

3. Oktober 2025

Sitzung Nr. 29 beendet „Den Opfern und ihren Familien möchte ich noch einmal sagen, dass Sie das Herzstück dieser Konvention sind. Nichts von dem, was wir tun würden, hätte ohne Sie und Ihren Kampf eine Bedeutung.“ Mit diesen Worten des Ausschussvorsitzenden endete die 29. Sitzung des Ausschusses gegen das Verschwindenlassen. In knapp zwei Wochen mit intensiver Arbeit und Debatten konnten wir Empfehlungen zu Sri Lanka, ...Weiterlesen

CED im Dialog mit Staaten

28. September 2025

CED im Dialog mit Staaten In der ersten Woche unserer Herbstsitzung diskutierte der Ausschuss gegen das Verschwindenlassen mit Delegationen aus Montenegro, Benin und Sri Lanka darüber, wie die jeweiligen Regierungen ihren Verpflichtungen zur Prävention, Untersuchung und strafrechtlichen Verfolgung von Fällen von Verschwindenlassen in ihren Ländern nachkommen. Die Geschichte, der Kontext und die politische Lage in diesen drei Ländern sind sehr unterschiedlich. Aber das Leid der ...Weiterlesen

Erzwungenes Verschwindenlassen im Kontext von Migration in Afrika

5. September 2025

Erzwungenes Verschwindenlassen im Kontext von Migration in Afrika Vor kurzem ist der Beitrag „Disappearances of Migrants in Africa“ erschienen, den ich gemeinsam mit Eva Nudd verfasst habe. Darin schildern wir, wie sich die Migrationsströme auf dem Kontinent in den letzten zehn Jahren erheblich verändert haben – nicht nur hat sich die Zahl der Migranten fast verdoppelt, auch die Migrationsrouten und das Profil der Migranten haben sich gewandelt. Die ...Weiterlesen

Auf der Suche nach vermissten Migranten

29. April 2025

Auf der Suche nach vermissten Migranten Maysoon Karbijha war 20 Jahre alt, als am 24. August 2014 das Boot im Mittelmer kenterte, mit dem sie Europa erreichen wollte. 712 Geflüchtete waren auf diesem völlig überfüllten Boot, 488 wurden gerettet, 24 an der italienischen Küste angespült, und 200 Menschen werden bis heute vermisst – so wie Maysoon. Ihre Schwester Batoul Karbijha machte sich auf die mühsame Suche ...Weiterlesen

Ausschussarbeit in herausfordernden Zeiten

4. April 2025

Ausschussarbeit in herausfordernden Zeiten Heute geht die 28. Sitzung des UN-Ausschusses gegen das Verschwindenlassen zu Ende. In drei arbeitsreichen Wochen diskutierten wir mit Delegationen aus Malta, Gambia, der Zentralafrikanischen Republik, Belgien, Serbien und Panama, über Fortschritte und Mängel bei der Umsetzung der Konvention in den jeweiligen Ländern. Wir konnten den Bericht über den Ausschussbesuch in Kolumbien fertigstellen und wir haben vereinbart, eine „Allgemeine Bemerkung“ ...Weiterlesen

Weltkongress gegen das Verschwindenlassen

20. Januar 2025

Weltkongress gegen das Verschwindenlassen Beim ersten Weltkongress zum gewaltsamen Verschwindenlassen von Menschen am 15./16. Januar 2025 in Genf kamen aus aller Welt Vertreter*innen von Zivilgesellschaft, Familien und Opferverbänden, von Staaten, von UN und regionalen Institutionen zusammen, um Fortschritte und Herausforderungen im Kampf gegen das Verschwindenlassen zu diskutieren. Es war eine großartige Gelegenheit für fokussierte Diskussionen, für inspirierenden Austausch von Erfahrungen und für berührende Geschichten. ...Weiterlesen

Intensiver Austausch in Bangkok und Phnom Penh

9. Dezember 2024

Intensiver Austausch in Bangkok und Phnom Penh Das gewaltsame Verschwindenlassen von Personen ist ein weit verbreitetes Menschenrechtsverbrechen in Südostasien. Es geschieht in Ländern und über Grenzen hinweg, im Zusammenhang mit Migration oder der Verteidigung von Land und natürlichen Ressourcen, oder um politische Opposition zum Schweigen zu bringen. Unabhängig davon, wie und wo jemand gewaltsam verschwindet, sind Schmerz und Leid der zurückbleibenden Angehörigen groß – und meist noch ...Weiterlesen